„Friedliche Religionsausübung darf nicht mit religiösem Druck gleichgesetzt werden. Manche Schulen müssen sich auch fragen, ob sie Konflikte durch ihren Umgang mit religiöser Vielfalt selbst verschärfen“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass ist das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin zum Gebetsverbot an einem Gymnasium (Az.: VG 3 K 710/25). Ali Mete weiter:
„Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts sehen wir mit Sorge. Der Schulfrieden ist ein hohes Gut. Er darf aber nicht zum pauschalen Argument werden, um friedliche Religionsausübung einzuschränken. Die Religionsfreiheit endet nicht am Schultor. Wer für sich betet, übt ein Grundrecht aus und stört damit nicht automatisch den Schulfrieden.
Wir sollten uns vielmehr fragen, ob manche Konflikte nicht erst dadurch entstehen oder verschärft werden, dass Schulen das Gebet zum Problem erklären. Auch am betroffenen Gymnasium berichten Schülerinnen und Schüler, dass Auseinandersetzungen weniger untereinander als vielmehr bei der Durchsetzung des Gebetsverbots entstanden seien. Es wäre ein verheerendes Signal, wenn junge Menschen ihre Religionsfreiheit einschränken müssten, weil andere mit ihr nicht umgehen können. Schulen tragen selbst Verantwortung dafür, ob religiöse Vielfalt als Normalität gelebt oder zum Konflikt wird.
Für uns ist ebenso selbstverständlich: Niemand darf zum Beten, Fasten oder Tragen eines Kopftuchs gedrängt werden. Religiöser Zwang und Einschüchterung haben an Schulen keinen Platz. Doch wer andere unter Druck setzt, muss Grenzen erfahren und nicht pauschal diejenigen, die friedlich ihren Glauben leben. Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Schulen haben nicht nur die Aufgabe, Konflikte zu verhindern, sondern junge Menschen zu einem respektvollen Umgang mit Unterschieden zu befähigen. Dafür braucht es Augenmaß, Dialog und praktikable Lösungen statt vorschneller Verbote. Unsere Gesellschaft ist religiös und weltanschaulich vielfältig. Schule sollte ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche lernen, mit dieser Vielfalt selbstverständlich umzugehen – nicht, sie zu verstecken.“