Verehrte Muslime!
Unser Glaube zeigt uns in allen Bereichen des Lebens den Weg. Auch darin, wie wir mit Geld und Besitz umgehen. Denn was wir haben, gehört letztlich Allah. Er hat es uns anvertraut. Infak bedeutet, mit Menschen zu teilen, die Hilfe brauchen, um Allahs Zufriedenheit zu erlangen. Deshalb werden im Koran das Gebet und das Teilen oft zusammen erwähnt. Wenn wir uns im Gebet niederwerfen, stärken wir unsere Verbindung zu Allah. Wenn wir teilen, stärken wir unsere Verbindung zu den Menschen.
Allah sagt: „Ihr werdet das Gute niemals erreichen, solange ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt.“[1] Das zeigt uns: Wirklichen Gewinn bei Allah erreichen wir durch das Teilen, nicht dadurch, dass wir immer mehr sammeln.
Wir leben in einer Zeit, die uns ständig zum Kaufen und Konsumieren animiert. Oft wird der Wert eines Menschen daran gemessen, was er besitzt. Mehr verdienen, mehr haben und mehr ausgeben – das wird zum Ziel des Lebens gemacht. Doch der Islam lehrt uns einen Umgang mit Geld und Besitz, bei dem Mitgefühl statt Konkurrenz zählt und das Teilen wichtiger ist als der eigene Vorteil. Infak lindert die Not der Armen und reinigt zugleich die Herzen der Wohlhabenden. Aus Geiz wird Großzügigkeit, aus Gier wird Zufriedenheit und aus Einsamkeit wird Gemeinschaft. Denn wenn wir geben, geben wir nicht nur etwas von unserem Besitz ab. In unserem Herzen wächst dabei auch Barmherzigkeit.
Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Die gebende Hand ist besser als die nehmende. Beginne mit deiner Hilfe bei denen, für deren Lebensunterhalt du verantwortlich bist!“[2] Teilen bringt Segen in unseren Besitz und beginnen sollte unsere Hilfe bei der eigenen Familie. Von dort reicht sie weiter zu Verwandten und Nachbarn, zu Waisen, Schülern und Studierenden, zu Reisenden und zu allen Menschen, die Unterstützung brauchen.
Liebe Geschwister!
Infak bedeutet nicht nur, Geld zu geben. Auch Wissen zu teilen, uns Zeit für andere zu nehmen und einem jungen Menschen zur Seite zu stehen, gehört dazu. Ebenso gehört dazu, nach einem älteren Nachbarn zu sehen, einen Kranken zu besuchen oder jemanden zu trösten, dessen Herz verzweifelt ist. Wir sollten unseren Kindern deshalb nicht nur Besitz hinterlassen. Geben wir ihnen auch mit, wie wichtig es ist, zu teilen, dankbar zu sein und mit anderen mitzufühlen, wenn sie Kummer haben. Vergessen wir nicht: Allah möchte nicht, dass wir möglichst viel besitzen, sondern dass unsere Herzen genügsam sind. Jedes Mal, wenn wir geben, zeigen wir unser Vertrauen in Allah. Wer gibt, vertraut auf Allahs Versprechen.
Wie jedes Jahr lädt uns unsere Gemeinschaft mit der Infak-Kampagne dazu ein, Gutes zu tun. Mit unseren Beiträgen können in unseren Regionen Dutzende Projekte Wirklichkeit werden. Moscheen, Gebäude für unsere Gemeindearbeit, Bildungszentren und Schulen werden gebaut und erneuert. Wenn wir dazu beitragen, können uns dafür auch nach unserem Tod weiter gute Taten gutgeschrieben werden. Teilen wir deshalb von dem, was uns zur Verfügung steht. Schließen wir uns den Menschen an, die Gutes tun, und helfen wir mit, dass sich Gutes und Schönes verbreitet.
Möge Allah uns zu seinen Dienern zählen, die ihren Lebensunterhalt auf erlaubte Weise verdienen, das Teilen als Geschenk und nicht als Last sehen, die Würde der Bedürftigen beim Geben achten und die Barmherzigkeit in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen. Amin.
[1] Sure Ali Imran, 3:92