Verehrte Muslime!
Eine der schönsten Bezeichnungen für unseren Glauben ist „Salam“, auf Deutsch: Frieden. Allah lädt seine Geschöpfe in das Haus des Friedens ein, Darussalam. Unser Prophet (s) wurde als Barmherzigkeit für die Welt gesandt. Deshalb prägt der Islam nicht nur unsere Beziehung zu Allah. Er lehrt uns auch, in der Familie, mit unseren Nachbarn und in der ganzen Gesellschaft friedlich und vertrauensvoll zusammenzuleben. Echter Frieden bedeutet mehr, als dass die Waffen schweigen. Er bedeutet, dass wir Hass und Feindschaft aus unseren Herzen verbannen, einander vertrauen, gerecht miteinander umgehen und die Güte in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Im Koran heißt es: „Helft einander dabei, Gutes zu tun und gottesbewusst zu leben. Unterstützt einander nicht bei Sünde und Feindschaft.“[1] Diese Worte rufen uns nicht nur dazu auf, Gutes zu tun. Sie erinnern uns auch daran, dass wir Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben tragen.
Liebe Geschwister!
Heute können wir einander leichter erreichen als je zuvor. Trotzdem fällt es uns immer schwerer, einander zu verstehen. Wir leben unter einem Dach, aber oft hören wir einander nicht zu. Wir wohnen Tür an Tür, aber kennen unsere Nachbarn kaum. Ein aggressiver Ton wird immer mehr zur Gewohnheit. Allah liebt es, wenn wir achtsam sind, denn viele große Konflikte beginnen damit, dass kleine Kränkungen und Streitigkeiten nicht rechtzeitig geklärt werden. Deshalb ist es so wichtig, sich in andere hineinzuversetzen und zu versuchen, die Welt durch die Augen von anderen zu sehen. Das ist Empathie und sie ist keine Schwäche. Sie ist ein Zeichen für einen gefestigten Iman. Denn um einem Menschen gerecht zu werden, müssen wir bereit sein, ihn zu verstehen. Wer urteilt, ohne zu verstehen, tut anderen oft Unrecht.
Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Keiner von euch glaubt wirklich, solange er seinem Bruder im Glauben nicht dasselbe wünscht wie sich selbst.“[2] In einem anderen Hadith heißt es: „Wer mit den Menschen nicht barmherzig ist, mit dem ist auch Allah nicht barmherzig.“[3] Unser Prophet (s) hat uns auf die schönste Weise vorgelebt, wie wir gütig sind, die Herzen der Menschen erreichen und uns darum bemühen können, sie zu verstehen. Jeder Gläubige trägt zum Frieden bei. Das beginnt zu Hause: Wie sprechen wir mit unserem Ehepartner und unseren Kindern? Achten wir die Rechte unserer Nachbarn? Begegnen wir älteren Menschen mit Respekt? Unterstützen wir junge Menschen und stehen wir Waisen zur Seite? Gehen wir sorgsam mit dem um, was der Allgemeinheit gehört? All das gehört zu unserer Verantwortung für ein gutes Zusammenleben.
Was die Welt heute besonders braucht, sind Menschen mit einem wachen Gewissen – mehr noch als eine starke Wirtschaft. Bei allem technischen Fortschritt dürfen wir nicht vergessen, auch unseren Charakter zu stärken. Wir brauchen Menschen, die einander zuhören können, statt nur laut zu brüllen. Vergessen wir nicht: Echter Frieden beginnt bei uns selbst. Bevor wir andere verändern wollen, sollten wir unser eigenes Herz mit Güte, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit füllen. Alles beginnt in der eigenen Familie.
Möge Allah uns zu Dienern machen, die Frieden bewirken und die Herzen verbinden. Amin!
[1] Sure Maide, 5:2
[2] Tirmizi, Sifat al-Kiyama, 59
[3] Buhari, Tawhid, 2